Reisebericht Kletterkreuzfahrt 13. - 20. Oktober 2013

Reisebericht Kletterkreuzfahrt 13. - 20. Oktober 2013

Die milde kroatische Oktobersonne hieß uns in Pula, dem kulturellen Zentrum im südlichen Istrien willkommen. Die Crew unseres Schiffs Tarin – der Kapiän genannt Admiral, der Koch Cookie und Dali unsere Servicedame sowie die Mountainbikeguides und kroatisch-deutsch sprechenden Reiseleiter Dragan und Dragan – traf die letzten Vorkehrungen um mit deutscher Pünktlichkeit um 13 Uhr den Hafen von Pula Richtung Rovinj zu verlassen. Vollpension war gebucht und so wurden wir zum Ablegen mit dem ersten opulenten Mahl der Reise verwöhnt – Salat als Vorspeise gefolgt von riesigen Platten gedünstetem Gemüse, Kartoffeln und gebratenem Hühnchen. Die folgenden sieben Tage sollten wir es beim besten Willen niemals schaffen, die uns aufgetischten Berge von kroatischen Köstlichkeiten aufzuessen – und wir waren wirklich jedes Mal hungrig! Ein schwimmendes Schlaraffenland sozusagen.

Entlang der Küste Richtung Norden schippernd näherten wir uns dem ersten Klettergebiet der Woche. Die Felsen von Rovinj liegen auf einer kleinen Halbinsel und fallen direkt zum Meer hin ab – ein beliebtes und in der Hauptsaison reich bevölkertes Klettergebiet, das jetzt fast menschenleer auf uns wartete. Um 15.30 Uhr legten wir in Rovinj, das auch zu Recht die Perle Istriens genannt wird, an und 15 Minuten später verließen wir bereits den Hafen auf unseren Mountainbikes. Die Fahrräder wurden die ganze Woche mit auf dem Schiff transportiert und machten uns den Transfer zum Klettergebiet angenehm und schnell. Eigentlich ist Radeln in Kroatien ein Erlebnis für sich, und so bereicherte das Radfahren als Mittel zum Zweck unser Klettererlebnis noch zusätzlich. Unsere Fahrradguides kannten meistens schon den flottesten Weg zum Fels oder navigierten uns zuverlässig zum Ausgangspunkt fürs Klettern.

So verbrachten wir noch herrliche erste Kletterstunden am rauen Kalk der Küste, beleuchtet vom weichen Licht der untergehenden Sonne. Zum Einklettern ideal, denn das Routenspektrum in Rovinj bietet sehr viele Klettereien zwischen 4b und 6b.

Nach einer lauen und ruhigen Hafennacht auf unserer Tarin verließen wir das Schiff erneut Richtung Fels. Heute sollten alle TeilnehmerInnen beim Klettern in einer für Sie im Rotpunktbereich liegenden Route gefilmt werden. Die Klipps wurden abends in der Gruppe analysiert und so bekamen alle KletterInnen technischen Input um Ihre Klettertechnik im Laufe der Woche zu verfeinern.

Dienstagmorgen um 7 Uhr weckte uns der Dieselmotor der Schiffsmaschine. Wir verließen Rovinj schon frühzeitig in Richtung der Insel Cres. Das stetige Brummen und Schaukeln lud dazu ein sich nochmals umzudrehen und bis zum opulenten Frühstück weiterzudösen. Ein lebhafter Südwind drohte die Überfahrt nach Cres am folgenden Tag für unser Schiff zu verunmöglichen. Daher mussten wir unsere Reiseroute kurzfristig ändern und statt am Limskikanal zu klettern steuerten wir ein ungewöhnliches doch sehr lohnendes Klettergebiet südlich von Pula an - den Steinbruch bei Vinkuran. Steile, von sinterartigen Strukturen  geprägte Kletterei am Naturfels wechselt sich hier ab mit künstlichen Routen. Aufgeklebte oder –geschraubte Felsstückchen auf den glatten Abbruchflächen des Steinbruchs boten ungewöhnliches Klettererleben. Routenlängen von bis zu 30m intensivieren hier zudem den abweisenden und steilen Charakter mancher Routen und fordern eine gute Psyche. Doch eine solide und reichliche Absicherung lässt auch dieses Klettergebiet zum Genuss werden. Routen in der Schwierigkeit zwischen 5a und 7b und darüber hinaus fordern den sportlichen Typ, lassen aber auch noch den gemäßigten Kletterer zum Zuge kommen.

Unsere Mountainbikes brachten uns in 25 Minuten zurück zum Schiff, wo Cookie auf uns schon mit frisch gegrilltem Fisch wartete. Das Nachmittagsmahl genießend starteten wir zur Insel Cres wo wir mit der untergehenden Sonne im Hafen des gleichnamigen Städtchens anlandeten.

Nach einer weiteren Nacht in den bequem Schiffsbetten machten wir uns über das Frühstück her, packten unsere Lunchpakete ein und schwangen uns aufs Fahrrad. Für den heutigen Tag hatten wir uns eine zweistündige Fahrradtour nach Lubenice vorgenommen. 21 Kilometer und 500 Höhenmeter versprachen eine längere Radtour. Wir entschlossen uns dazu, unser Kletterequipment per Transfer mit dem Auto eines Freundes von Dragan nach Lubenice bringen zu lassen um das Radfahren genießen zu können. Längere Anstiege wechselten sich mit rasanten Abfahrten ab und gestalteten die Fahrt abwechslungsreich und spannend. Leider enttäuschte uns das Klettergebiet ein wenig: Die Absicherung war in mehreren Routen veraltet oder es fehlten Plättchen und in einigen leichteren Routen war der Fels unzuverlässig. Wir fanden dennoch eine super Tour bei der die Absicherung an neuen Bühlerhaken gut war und die Kletterei fordernd und sehr interessant. Kurzerhand beschlossen die meisten von uns, diese Risstour zum Projekt des heutigen Tages zu erklären. Unter der Anfeuerung der anderen Aspiranten wurde der leicht überhängende Einstieg auf die folgende Platte ausgelotet und der anschließende Riss mit Faustklemmern bezwungen. Ein geselliger Spaß mit toller Aussicht über das offene Meer! Der Rollbraten am Abend schmeckte uns hervorragend nach diesem intensiven Sporttag.

Der Donnerstag begann mit wieder mit Motorengebrumm, das uns dösend nach Martinscica brachte. Die durch die Kojenfenster blinzelnde Morgensonne half uns aus den Betten und ließ Vorfreude auf den heutigen Klettertag aufkommen. 15 Minuten auf dem Fahrrad und 30 Minuten Anstieg zum Fels und wir standen am Wandfuß des kleinen Klettergebiets mit herrlicher Aussicht und kreisenden Bartgeiern. Vorwiegend Plattenkletterei um die 10-15 Meter mit Schwierigkeiten zwischen 4c und 6c+ forderte unseren Gleichgewichtssinn und gute Tritttechnik. Ideal auch, um nochmals Technikanalyse zu treiben. Das Luchpaket mit Hünchensandwich, Fisch oder gegrilltem Gemüse war ein zusätzlicher Genuß! Zurück am Schiff das erste Bier und ab ins Meer – was willst Du mehr?!

Freitagmorgen leuteten wir unseren Pause – und Badetag ein. Mit dem Schiff ankerten wir vor einer einsamen Bucht mit ballrunden Kieseln. Mit Stirnlampen bewaffnet schwammen immer zwei Leute hinein in die „blaue Grotte“. Das Wasser war hier frisch aber die Eindrücke dieser Höhle mit winzigem Schwimmeingang lenkte unsere Aufmerksamkeit weg vom Frösteln. Nicht schlecht staunten unsere kroatischen Begleiter über so viel Unerschrockenheit! Delphine zogen hinter unserem Schiff vorbei und ihre akrobatischen Sprungeinlagen ließen uns staunen und träumen. Mira meine kleine Tochter war hier ganz in Ihrem Element und huschte vom Meer zu den Felsen und wieder zurück, getrieben vom Abenteuergeist einer Zweijährigen. Nach ausgiebigem Lunch genossen wir den besten Schönwettertag dieser Woche auf dem großen Sonnendeck. In Moscenicka Draga, zurück auf dem istrischen Festland, genossen wir die Einsamkeit des sonst geschäftigen Städtchens und aßen Eis beim Schlendern entlang der wirklich wunderschönen Promenade! Unglaublich, diese malerischen Landschaften und Küstenorte bei perfektem Kletterwetter für sich allein zu haben!

Der Fels über Moscenicka Draga forderte nochmals den Sportler in uns! Ein steiler Aufstieg mit dem Bike überraschte uns kalt und ließ uns schwitzen wie die Schw…..e! Danach eine 25 minütige Wanderung zum Fels und die Kvarner Bucht lag uns getaucht im weichen Licht des scheidenden Sommers zu Füßen. Bombenfester Kalk mit schwarzen Sinterspuren und einer Rauigkeit, die sich mit dem Traumkalk des Rätikons vergleichen lässt, wartet auf mit Routen zwischen 4c und 7c mit Schwerpunkt um 6a bis 6c. Ein genialer Fels für den letzten Klettertag! Fertig aber glücklich rasen wir mit den Rädern den steilen Berg hinab zum Schiff und dem wohlverdienten Feierabendbier. Eine kurze Weiterfahrt brachte uns in den Hafen von Opatija mit seiner österreichisch-ungarischen Prunkarchitektur vergangener Tage, die hier im modernen Licht der Tourismusindustrie neuen Glanz erfährt. Munschkin forderte und überforderte nochmals die Bauchmuskeln und mit Gelächter neigte sich unser letzter Abend in Istrien.

Ein etwas zu früher Abschied von unseren lieben kroatischen Begleitern, die uns mit bestem Essen, freundlichem Service und kompetenter Führung sowie interessanten Geschichten entlang der malerischen Küste eine unvergessliche Woche bereitet haben, fiel uns schwer, möchte man doch am liebsten noch ein paar Tage weiterfahren!

Fazit: Die erste Kletterkreuzfahrt von Rausundrauf in Kooperation mit Amazing Adventures GmbH war ein echter Erfolg! Das Konzept, mit den Fahrrädern an Bord der Tarin von Bucht zu Bucht zu schippern und dort Klettern zu gehen ging auf. Das Wetter unterstützte unser Vorhaben mit viel Sonnenschein, wenig Wind und perfekten Temperaturen. Ein Luxus: überall die Einzigen gewesen zu sein!

Ich freue mich bereits auf die nächste Kletterkreuzfahrt und hoffe, dass auch Sie sich dazu entscheiden, uns zu begleiten!